30ter Dezember 2021

überraschend versöhnlich

greift ein milder Wind

in die letzten fahlen

zitternden Blätterleichen

verborgen im späten Dunkel


ein zu groß gewachsener

scharfkantiger junger Mann

ein gespaltener Ast

zieht eine Gestalt zu sich vom Gehsteig zwischen die Metalhaufen

in seinen harten Schatten fällt der ihre

besänftigt


meinen Schritten folgt

der erwartungsvolle fragende Blick eines Labradors

bewegungslos bis auf den Schädel

der sich langsam dreht


offene Fenster sind Grenze und Schwelle

Gelächter verfängt sich in brennenden Vorhängen

zaghafte vertrauliche Lust stößt dumpf im Dunkelraum

von Wand zu Wand


drei Frauen sitzen eng verbunden auf den winzigen Ladenstufen

des Eckgeschäfts das verspricht

zu bewegen

wen oder was auch immer

lächeln verlegen

die Lippen an Flaschenhälse gelegt

schmieden sie schmunzelnd ihr Komplott fürs Neue Jahr


beim Öffnen der schweren graugrünen Hoftür

streift mich der offene Mantelflügel einer Passantin

Berührungspunkte sind selten in diesen Tagen


ich bin froh anzukommen

am Ende des Tages

und des Jahres

irgendwann wird der Tod das Schönste sein

so sagt man


beim Ausziehen der Schuhe

verirrt sich der rechte Schnürsenkel

und es braucht einen Moment

zu begreifen

dass auch diese Aufgabe noch gelöst werden muss

bevor der Ruhelosen Schlaf

beginnen kann

Torsten Pfeffer

29. Dez. 2021